"Mit Monokultur kommt man nicht weit." - Vielfalt als Schlüssel für den Erfolg

22.03.2018

Völklinger Kreis e. V., Siemens AG und Landkreis München diskutieren mit 150 Gästen Herausforderungen und Potenziale von Diversität

Foto: Zahlreiche neue Kontakte wurden während des Marketplaces an den Infoständen der Interessensvertretungen und Verbände geknüpft.

Zahlreiche neue Kontakte wurden während des Marketplaces an den Infoständen der Interessensvertretungen und Verbände geknüpft.

Drei war die prägende Zahl des Tages. Auf Einladung der drei Veranstalter Völklinger Kreis e. V., Siemens AG und Landkreis München hatten sich am 9. März 2018 im Auditorium der Zentrale der Siemens AG, unweit der "Schwesterngruppe", einer Skulptur dreier Arm in Arm stehender Frauen des Bildhauers Georg Baselitz, zahlreiche Gäste eingefunden, um unter dem Motto "Führung im digitalen Wandel" über den Dreiklang Digitalisierung - Diversität - Arbeit 4.0 zu sprechen.

Über 150 Entscheiderinnen und Entscheider, Führungskräfte, Diversity-Verantwortliche sowie interessierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Unternehmen, Kommunen und Verbänden nutzten die 11. DiverseCity-Veranstaltung, um sich über gelungene Praxisbeispiele zu informieren und sich untereinander zu vernetzen.

Einigkeit bei allen Beteiligten: Diversität ist der Motor für Fortschritt

Bereits in den Grußworten von Janina Kugel, Chief Human Resources Officer
und Mitglied des Vorstands der Siemens AG, und Matthias Weber, Diversity-Vorstand des Berufsverbands Völklinger Kreis, wurde dabei deutlich: Diversity umfasst weitaus mehr als die Unterschiede zwischen Mann und Frau oder die Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Im Endeffekt sind es die Stärken, Talente und Erfahrungen jedes und jeder Einzelnen, die, erkannt und richtig eingesetzt, die Grundlage für Erfolg bilden, beruflich wie im privaten Alltag. Oder, wie der Moderator der Veranstaltung, Jens Schadendorf, es formulierte: "Mit Monokultur kommt man nicht weit."

Es sei wichtig, Diversität als Wettbewerbsvorteil zu erkennen und zu fördern, erklärte Janina Kugel, die bei Siemens als Personalvorstand weltweit für mehr als 370.000 Mitarbeitende zuständig ist. "Diversity ist eine Herausforderung, die nie endet", so Kugel. Auch als offener und toleranter Mensch habe man - bewusst oder unbewusst - immer wieder einmal Vorurteile, die erkannt und ausgeräumt werden müssten. Ziel müsse es sein, dass Diversity Management und das Anerkennen der Unterschiede der Menschen selbstverständlich wird. "Nur wenn wir akzeptieren, dass jeder Einzelne ein Teil von Vielfalt ist, können wir Diversity Management langfristig etablieren", pflichtete auch Matthias Weber vom Völklinger Kreis bei. Sein Verband hat das Format "DiverseCity" als bundesweite Konferenzmarke 2009 ins Leben gerufen.

Wer Vielfalt nachhaltig unterstützen will, muss in der Arbeitsorganisation flexibel sein

Auch für Landrat Christoph Göbel ist Diversity Management gerade in Zeiten des vorherrschenden Fachkräftemangels ein zentrales Thema - nicht nur in der Landkreisverwaltung. "Als prosperierender Wirtschaftsraum ist der Landkreis München wie die gesamte Metropolregion vom Zuzug und einer großen Dynamik geprägt. Diese Potenziale müssen wir heben und aktiv nutzen. Seit 2016 arbeiten wir mit unserem Referat für Chancengleichheit und gesellschaftliche Potentiale im Landratsamt daran, die Teilhabe aller am sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben zu fördern und dadurch den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt im Landkreis München zu stärken. Ein interdisziplinär arbeitendes Team aus den Bereichen Inklusion, Integration, Gleichstellung, Bildungs- und MINT-Management, Bürgerschaftliches Engagement und Wirtschaftsförderung widmet sich dort strategischen Fragestellungen und entwickelt gesellschaftspolitisch relevante Konzepte, die am Ende einen ganz konkreten Mehrwert bringen sollen: die vollwertige Beteiligung jeder und jedes Einzelnen in allen Aspekten des täglichen und beruflichen Lebens ungeachtet - oder besser: gerade wegen - seiner individuellen Voraussetzungen. Dann erreichen wir unser Ziel: gelebte Vielfalt."

Die Welt müsse sich so aufstellen, dass Potenziale bestmöglich entfaltet werden können, so Göbel weiter. Führungskräfte müssten verstehen, dass ihre Mitarbeitenden die wertvollste Ressource sind, und ihnen einen vorurteilsfreien Start ermöglichen. Daran arbeitet man im Landratsamt bereits seit längerem intensiv - nicht nur mit einem neuen Leitbild, das genau diese Vielfalt zum Ziel hat, sondern beispielsweise auch mit der Dienstvereinbarung zur Mobilen Arbeit, die es den Mitarbeitenden ermöglicht, entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse und Erfordernisse auch von zuhause oder von unterwegs zu arbeiten. Arbeitszeiten können so flexibler gestaltet und Fahrzeiten eingespart werden.

Die fortschreitende Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf die Arbeitswelt waren auch das Thema einer Podiumsdiskussion am Nachmittag, bei der Vertreterinnen und Vertreter der Siemens AG, Matthias Weber vom Völklinger Kreis und die Leiterin des Referats für Chancengleichheit und gesellschaftliche Potentiale im Landratsamt München, Martina Neubauer, mit Moderator Jens Schadendorf Erfahrungen und Möglichkeiten einer immer digitaler werdenden (Arbeits-)Welt erörterten, aber auch die damit einhergehenden Herausforderungen für die Führungskräfte, wie beispielsweise die Abstimmung und Organisation innerhalb der jeweiligen Teams, thematisierten.

Impulsvorträge renommierter Wissenschaftler und ein Marktplatz der Ideen

Auch für den persönlichen Austausch und das Netzwerken blieb bei der DiverseCity-Veranstaltung genügend Raum. Während der Mittagszeit hatten die Teilnehmenden ausgiebig Gelegenheit, sich über unterschiedlichste Aktivitäten zum Thema Vielfalt zu informieren. Vertreten waren unter anderem die Charta der Vielfalt, zu deren Unterzeichnern auch das Landratsamt München zählt, das Netzwerk PRIDE@Siemens sowie die Gesamt-Schwerbehindertenvertretung von Siemens, das Zentrum für Innovationen und Gründung an der TU München, UnternehmerTUM oder der Verein Wirtschaftsweiber e. V.

Zu den Highlights des Tages zählten darüber hinaus zwei Impulsvorträge zweier Wissenschaftsgrößen: Claudia Peus, Professorin für Forschungs- und Wissenschaftsmanagement und geschäftsführende Vizepräsidentin für Talentmanagement und Diversity der Technischen Universität München plädierte in einem eindrucksvollen Vortrag zum Thema "Fortschritt durch Vielfalt" dafür, eigene Einstellungen, Vorurteile und Präferenzen zu hinterfragen und appellierte an die Führungskräfte, möglichst offen und ohne Vorbehalte in Gespräche mit Mitarbeitenden und Bewerbern zu gehen. Vor dem Hintergrund des aktuellen Fachkräftemangels sei es wenig sinnvoll, einen Teil des Talentpools auszuschließen, weil er oder sie nicht "die richtige Verpackung" hat, so Peus. Zahlreiche Talente gingen so aufgrund von Äußerlichkeiten bereits in der ersten Auswahlstufe verloren.

Henning Beck, Neurowissenschaftler, Buchautor und bekannter Science Slammer, gab zum Abschluss des Tages einen humorvollen, aber dennoch tiefsinnigen Einblick in die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns und zeigte, warum künstliche Intelligenz nie wirklich gegen den Verstand und die Empathie eines Menschen ankommen wird und warum bei allem Fortschreiten der digitalen Entwicklung Kreativität, das Machen und Zulassen von Fehlern und damit Innovation quasi die menschliche DNA ausmachen.

Ein Plädoyer für die Menschlichkeit: Positive Energiebilanz

Nicht erst am Ende dieses Tages war allen Teilnehmenden klar: Am Ende ist es immer der Mensch, der entscheidet - durch seine individuellen Stärken und Talente einerseits, aber auch durch das Loslassen von Vorurteilen und Befürchtungen. Denn ein Mensch, der sich am Arbeitsplatz nicht verstecken muss und seine Energie nicht darauf verwenden muss, anders zu sein, um sich in "das System" einzufügen, kann seine ganze Tatkraft dafür einsetzen, individuelle wie unternehmerische Ziele zu erreichen. Am Ende gewinnen dadurch alle Beteiligten.

Weitere Informationen rund um die Veranstaltungsreihe "DiverseCity" des Berufsverbands Völklinger Kreis finden Sie auch unter http://diversecity.de/.