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Unter diesem Titel fand 1992 erstmals in Europa eine breit angelegte Anti-Gewalt-Kampagne in der Stadt Edinburgh statt. Sie hatte das Ziel, die Öffentlichkeit über Ausmaß und Art der Gewalt von Männern gegen Frauen und Mädchen zu sensibilisieren und aufzuklären. Mit "Zero Tolerance" wurde öffentlich das gewalttätige Verhalten von Männern als Verbrechen bezeichnet und als gesellschaftlich nicht tolerierbar verurteilt. Es entstand ein Aktionsbündnis zwischen dem Frauenbüro der Stadt Edinburgh, verschiedenen Frauenprojekten, der Polizei, dem Sozial- und Jugendreferat und anderen Ämtern der Stadt. Dem Bündnis gelang es, Opfer zu ermutigen aus dem Schatten zu treten und Hilfsangebote für Betroffene bereitzustellen. Bald darauf wurde das Thema auch in der BRD aufgegriffen: 1994 startete das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Kampagne "Gewalt gegen Frauen", die dann auf alle Bundesländer ausgedehnt wurde.
Auch in der Landeshauptstadt München beschäftigten sich schon seit sehr langer Zeit verschiedene feministische Initiativen mit der männlichen Gewaltthematik. Nach dem Vorbild der Stadt Edinburgh übernahmen ab 1996/97 eine Reihe von Organisationen in sogenannten "Münchenplenen" die Vorbereitung der Münchner Kampagne "Aktiv gegen Männergewalt". Neben dem Initiativkreis (Kofra, Frauenhäusern, DJI, Gleichstellungsstelle der Stadt München) haben sihch rund 180 Münchner Organisationen diesem Aktionsbündnis angeschlossen und setzen ihre Arbeit bis heute erfolgreich fort.
Die Aktivitäten der Münchner Kampagne wirkten ab Ende 1996 auch in den Landkreis München hinein. Am 21. Juli 1997 beauftragte der Kreisausschuss einstimmig die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises München eine Kampagne zu initiieren und zu koordinieren. Unter dem Titel "GANZ NORMAL - Gegen Gewalt an Frauen, Männern, Mädchen und Jungen" wurde die Kampagne auf die Situation des Landkreises abgestimmt und modifiziert. Für den Erfolg der Kampagne war es wichtig, die Eigenständigkeit der Gemeinden und Städte zu berücksichtigen. Landrat Heiner Janik übernahm die Patenschaft und unterstützte die Veranstaltungen.
Die Aufgabe der Gleichstellungsstelle bestand aus folgenden Elementen:
Der Schwerpunkt der Kampagne lag auf der Bekämpfung von offener, körperlicher, sexueller und verbaler Gewalt von Männern an Frauen und Kindern.
Ebenso wie der fokussierte Titel der Münchner Kampagne "Aktiv gegen Männergewalt", löste auch der offen formulierte Kampagnentitel im Landkreis kontrovers geführte Diskussionen aus. Dem Landkreistitel gelang es aber, viele Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ins Boot zu holen. Und er stellte für die Mehrheit der regionalen Aktivistinnen eine hilfreiche Orientierung dar, sich mit der besonderen Situation des Landkreises zu beschäftigen. Auf diese Weise entwickelten sich in den Gemeinden und Städten eigene lokale Akzente, die viele interessierte Bürgerinnen und Bürger vor Ort erreichten.
Von 29 Gemeinden und Städten bildeten sich sieben Initiativgruppen, die vor Ort sämtliche Institutionen und soziale Einrichtungen miteinbezogen, um die Öffentlichkeit über die vielfältigen Erscheinungsformen von Gewalt gegen Frauen, Mädchen und Jungen zu informieren. In weiteren acht Gemeinden fanden Veranstaltungen zu o.g. Themenkreis statt. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den verschiedensten Projekten, Einrichtungen und Institutionen im gesamten Landkreis beteiligten sich mit einer unglaublichen Bandbreite an Aktivitäten und Handlungsansätzen.
Durch die erfolgreiche Kooperation mit dem Kreisjugendring München-Land entstand eine weitere beindruckende Vielfalt von Aktionen, an denen sich besonders Mädchen und junge Frauen aktiv beteiligten. Aber die Netzwerkarbeit im Landkreis reichte noch weiter:
Auch das staatliche Schulamt leistete mit Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer einen sehr wichtigen Beitrag. Und auch die Künstlerinnen im Landkreis ließen sich für die Kampagne mobilisieren: sie entwickelten eine beeindruckende Kunstausstellung "GANZ NORMAL", die zuerst im Landratsamt ausgestellt wurde und später als Wanderausstellung durch Bayern reiste. Die rund 153 Veranstaltungen im Landkreis wurden insgesamt von mehreren 1.000 Menschen besucht!
Allen engagierten Frauen und Männern, Mädchen und Jungen sei noch einmal herzlichst gedankt!
Folgende Beispiele für Projekte und Aktionen waren herausragend:
Die Kampagne "GANZ NORMAL" hat gezeigt, dass sich das öffentliche Bewusstsein für das Gewaltproblem verstärkt hat und ein gesellschaftliches Potential zur Beendigung vorhanden zu sein scheint. Die stillschweigende Toleranz von Gewalt wurde teilweise aufgebrochen, es wurde so die Auseinandersetzung mit dem Thema in Gang gebracht. Auf den verschiedensten Ebenen - regional und landkreisweit - wurden Impulse für nachhaltige Veränderungsprozesse gesetzt: