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03.08.2010 09:21
Kategorie: Auto - Verkehr - Sicherheit - Ordnung, Verwaltung - Bürgerservice - Politik - Wahlen

Schwere Aufbewahrungsmängel bei Schusswaffen und Munition

90% der kontrollierten Waffenbesitzer verwahrten ihre Schusswaffen und Munition nicht ordnungsgemäß

Das Landratsamt München hat - wie bereits berichtet - am Samstag, 24. Juli 2010, eine Schwerpunktaktion zur sicheren Aufbewahrung von Schusswaffen und Munition in der Stadt Garching und den Gemeinden Ottobrunn und Unterhaching durchgeführt. Dabei suchten die Kontrolleure vorrangig Waffenbesitzer auf, die ihre Schusswaffen geerbt oder nach der großzügiger gefassten früheren Rechtslage erworben haben.

Verbreitete Unkenntnis über herrschende Vorschriften

Nunmehr liegen die Ergebnisse der Schwerpunktaktion vor: Von den 167 unangemeldet aufgesuchten Waffenbesitzern wurden 82 angetroffen. Hiervon verwahrten 73, also annähernd 90%, ihre Waffen nicht ordnungsgemäß. Dabei stellte sich die Lage in den drei kontrollierten Orten für alle Kontrolleure sehr ähnlich dar: Schusswaffen kamen unter Wäschebergen im Schrank, in der Schublade oder unter dem Bett zum Vorschein. Mancher Waffenbesitzer hatte seine Schusswaffen gar dekorativ an die Wand gehängt. Teilweise wurde die Munition gleich neben der Waffe ungesichert gelagert. Angesichts solch erheblicher - meist aus Unkenntnis der geltenden Vorschriften herrührender - Aufbewahrungsmängel haben die Kontrolleure gleich vor Ort 22 Schusswaffen sichergestellt. Die nicht angetroffenen Waffenbesitzer erhielten eine Benachrichtigung, dass sie der Waffenbehörde die ordnungsgemäße Aufbewahrung ihrer Waffen nachzuweisen haben. Die Gefahr einer unzureichenden Waffenaufbewahrung geht weniger von den Waffenbesitzern selbst aus, als vielmehr von Unbefugten, die womöglich leichter auf diese Waffen zugreifen können. Landrätin Johanna Rumschöttel: "Das Ergebnis der Schwerpunktaktion ist höchst beunruhigend. Ich will mir gar nicht vorstellen, was passieren kann, wenn Kinder beim Spielen in Opas Kleiderschrank eine Schusswaffe gleich mit der dazugehörigen Munition finden. Da muss nicht einmal eine böse Absicht dahinter stehen, wenn ein großes Unglück passiert".

Waffenrecht verschärft

Das nach dem Amoklauf von Winnenden im Jahre 2009 erheblich verschärfte Waffenrecht verlangt eine für Unbefugte unzugängliche Aufbewahrung von Schusswaffen und Munition in speziellen Waffenschränken, die vom Gesetzgeber vorgegebene Mindestvoraussetzungen hinsichtlich des Widerstandsgrades erfüllen müssen. Zudem dürfen Schusswaffen grundsätzlich nur getrennt von Munition aufbewahrt werden. Erben von Schusswaffen ist nach neuem Recht, sofern nicht ein besonderes Bedürfnis nachgewiesen wird, ohnehin der Besitz von Munition verboten. Zusätzlich muss die geerbte Schusswaffe mit einem Blockiersystem gesichert werden.
Diese Sicherheitsvorkehrungen erfordern erhebliche finanzielle Investitionen von mehreren hundert Euro. Angesichts dessen gaben zahlreiche Waffenbesitzer, nachdem sie über die Rechtslage aufgeklärt worden waren, ihre Waffen freiwillig ab. Auf diese Weise sammelten die Kontrolleure weitere 27 Schusswaffen ein.

Teuer: Verstöße gegen die Aufbewahrungsvorschriften

Den Waffenbesitzern, die ihre Schusswaffen nicht ordnungsgemäß aufbewahrt haben, drohen empfindliche Sanktionen: Der Verstoß gegen die Aufbewahrungsvorschriften stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einer Geldbuße bis zu 10.000 Euro geahndet werden kann. Wer vorsätzlich handelt und dadurch die Gefahr verursacht, dass eine Schusswaffe oder Munition abhanden kommt oder darauf unbefugt zugegriffen wird, muss sogar mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe rechnen. Entsprechendes gilt für diejenigen die unerlaubt eine Schusswaffe oder Munition besitzen.

Landrätin Johanna Rumschöttel: "Die Schwerpunktaktion setzt ein deutliches Signal an alle Waffenbesitzer. Wir nehmen die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger im Landkreis ernst." Die Gruppe der Erben und Altbesitzer von Schusswaffen umfasst im Landkreis 3.625 Personen und damit rund 34% der 10.709 registrierten Schusswaffenbesitzer. Landrätin Johanna Rumschöttel: "Hochgerechnet befinden sich im Landkreis München über 8.800 nicht ordnungsgemäß gesicherte Schusswaffen. Da müssen wir unbedingt den Kontrolldruck aufrecht erhalten und nach Möglichkeit noch erhöhen." Dabei hofft die Landrätin auf die Unterstützung durch den Freistaat Bayern, sei es durch eine deutliche personelle Aufstockung in der Waffenbehörde oder durch einsatzbezogene Hilfeleistungen seitens der Polizei.

Jäger und Sportschützen meist umsichtiger

Weniger Handlungsbedarf besteht nach Einschätzung des Landratsamtes bei Jägern und Sportschützen. Diese Gruppen von Waffenbesitzern haben ein gesteigertes Interesse am Waffenbesitz, kennen die geltenden Aufbewahrungsvorschriften genau und halten sich nach den bisherigen Erfahrungen auch überwiegend daran, um den Entzug der Waffen zu vermeiden.

Informationen zur vorschriftsgemäßen Waffenaufbewahrung sind über den Internetauftritt des Staatsministeriums des Innern sowie desundefined Landratsamts München abrufbar. Schusswaffen können zu den üblichen Geschäftszeiten kostenlos bei der Waffenbehörde des Landratsamts oder jeder Polizeidienststelle abgegeben werden.