Soziales Lernen

"Soziales Lernen für Mädchen und Jungen in der Schule - ein Beitrag zur Gewaltprävention"

Schule ist kein geschlechtsneutraler Raum

Was bedeutet eigentlich der häufig gebrauchte Begriff "gender"? Gender unterscheidet im Gegensatz zum deutschen Begriff "Geschlecht" zwei Aspekte:

  • "Geschlecht" steht lediglich für die biologischen Aspekte der Geschlechter (Frau/Mann)
  • "gender" dagegen beschreibt die sozialen und kulturellen Aspekte

Die Schule stellt ein soziales System dar, in dem "doing gender", also die soziale und kulturelle Konstruktion von Geschlecht in der Interaktion, eine wichtige Rolle spielt. Auch die Schule ist somit kein geschlechtsneutraler Ort. Die Gender-Perspektive sensibilisiert die Wahrnehmung, dass Jungen und Mädchen auf unterschiedliche Art und Weise lernen und sich in ihren Wünschen, Interessen und ihrem Sozialverhalten unterscheiden. Die Schule stellt ein Lernfeld dar, in dem Schülerinnen und Schüler ihre geschlechtliche Identität und Geschlechtsrollen erwerben. Vor allem in der Pubertät verhalten sich Mädchen und Jungen entsprechend den Erwartungen des anderen Geschlechts, was zu geschlechtsstereotypen Einengungen führen kann. Diese können Auswirkungen auf die Entwicklung von Verhaltensmustern und Interessen zur Folge haben.

Schule und Gewalt

Das Thema von gewaltbereiten Jugendlichen in Schulen ist in aller Munde und in den Medien immer wieder präsent. Bei genauerer Betrachtung stellte sich heraus, dass es sich bei den Tätern in der Regel um junge Männer oder Jungen handelt. Das Spektrum der Gewaltformen gegenüber Mädchen und Frauen reicht von spektakulären Vorfällen bis zu der sogenannten "alltäglichen Gewalt", die von subtiler, verbaler bis hin zu sexuellen Übergriffen reichen kann. Auch wird in öffentlichen Diskussionen häufig vernachlässigt und nicht berücksichtigt, dass Mädchen und Jungen mit Konflikten unterschiedlich umgehen. Folgerichtig sollten Maßnahmen zur Gewaltprävention auf einer geschlechtsbezogenen Sichtweise aufbauen.

Projekt "Soziales Lernen für Mädchen und Jungen in der Schule - ein Beitrag zur Gewaltprävention"

Basierend auf diesen Erkenntnissen initiierte und konzipierte die Gleichstellungsstelle des Landkreises München ein gender-orientiertes Schulklassenprogramm zur Gewaltprävention in Zusammenarbeit mit externen Fachkräften, das die unterschiedliche Sozialisation und Lebenslagen von Mädchen und Jungen thematisiert. Mit verschiedenen Methoden aus der Genderpädagogik werden die Schülerinnen und Schüler zur Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt angeregt und ermutigt, sich selbst aktiv für eine gewaltfreie Schule einzusetzen. Das Modellprojekt findet in der Regel an vier Vormittagen mit jeweils drei Schulstunden statt und kann an weiterführenden Schulen im Landkreis München durchgeführt werden. Mit diesem Projekt leistet die Gleichstellungsstelle einen wichtigen Beitrag für die Erziehung zur Gleichberechtigung.
Das Projekt beinhaltet drei Bausteine:

  • Gemeinsamer Beginn des Seminars mit der ganzen Klasse
  • Das Arbeiten in der geschlechtshomogenen Gruppe
  • Im gemeinsamen Abschluss verhandeln bzw. vereinbaren Mädchen und Jungen einen sogenannten Klassenvertrag zum respektvollen Umgang miteinander.

Die Eltern können sich in einem Infoabend über das Projekt informieren. Das Projekt erfordert von den beteiligten Lehrerinnen und Lehrern ein hohes Maß an Engagement und Reflexion. Im Idealfall stellt die Klassenvereinbarung die Grundlage für eine bessere Klassengemeinschaft dar. Das Projekt sollte im weiteren Schuljahr von den Lehrkräften fortgeführt werden.

Das Arbeiten mit der Mädchengruppe

Die Mädchen vereinbaren Regeln für den geschlechtshomogenen Umgang miteinander und bearbeiten im geschützten Rahmen ihre geschlechtsspezifischen Interessen und Konflikte. Mädchen lernen, Grenzen zu setzen und "nein" zu sagen. Anhand von praktischen Übungen und Rollenspielen können Mädchen dies erproben. Sie bereiten den Klassenvertrag vor, in dem sie Wünsche an die Jungen und Lehrkräfte formulieren.

Das Arbeiten mit der Jungengruppe

Auch in der Jungengruppe werden Regeln erarbeitet, um sich miteinander wohlfühlen zu können. Die Jungen lernen sich gegenseitig besser kennen, um das Vertrauensverhältnis untereinander zu stärken. Die Jungen bearbeiten die Themen Umgang mit Gefühlen, Respekt, Aggressionen und Gewalt. Sie bereiten den Klassenvertrag vor, in dem sie Wünsche an die Mädchen und Lehrkräfte formulieren.

Beispiele aus der Praxis

Aufgrund der Initiative der Gleichstellungsstelle des Landkreises München und der Gleichstellungsbeauftragten in Garching startete das Pilotprojekt 1999/2000 jeweils in einer 7. Klasse der Hauptschule West und des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in Garching bei München. Es wurde sowohl vom Bürgermeister als auch von den Schulrektoren und

-rektorinnen aktiv unterstützt. Das Schulklassenprojekt wurde von Fachfrauen des "Projekts für Mädchen und junge Frauen" sowie von einem Fachmann von "mannigfaltig, Institut für Jungen- und Männerarbeit" durchgeführt. Der Auftakt des Projekts hat ein gelungenes Experiment dargestellt und wurde 2001/2002 an der Therese-Giehse-Realschule und am Carl-Orff-Gymnasium in der Stadt Unterschleißheim wiederholt. Es zeigte sich, dass die Projektdurchführung nur durch ein Netzwerk vieler engagierter Fachleute gelingen konnte. Im zweiten Durchlauf wurde das Projekt "Soziales Lernen" konzeptionell weiterentwickelt und in Kooperation mit dem Tübinger Sozialforschungsinstitut wissenschaftlich begleitet. Den Part der Mädchenarbeit übernahm dieses Mal eine freiberufliche Trainerin für Selbstbehauptung und -verteidigung.

Projekt Soziales Lernen auch an Ihrer Schule?

Wenn Sie Fragen zum Projekt "Soziales Lernen" haben, rufen Sie einfach in der Gleichstellungsstelle des Landkreises München an. Sollten Sie Interesse an der Durchführung des Projekts auch an Ihrer Schule haben, beraten wir Sie gerne! Gerne senden wir Ihnen die Dokumentation kostenlos zu.