Eltern auf Zeit gesucht! Kindern ein zweites Zuhause geben

Erstinformationsabend - Eltern auf Zeit

Lebendiges Fragen- und Antworten-Gespräch beim Erstinformationsabend "Eltern auf Zeit - Kindern ein zweites Zuhause geben". V.l.n.r. Isabella (ehemaliges Pflegekind), Tineke Dekker, Hans Dekker (Eltern auf Zeit), Birgit Voß (Leiterin Pflegekinder-Team), Max Zeidler (Moderator), Elke Strässle (Pflegekinder-Team).

Das Landratsamt München sucht "Eltern auf Zeit", die Kinder aus schwierigen Familiensituationen bei sich aufnehmen. Mit Erstinformationsabenden in den Gemeinden wirbt das Pflegekinder-Team derzeit dafür. In Garching nahmen zum Auftakt am 7. Oktober 2014 zahlreiche Interessierte die Möglichkeit wahr, Vertreterinnen des Teams und "Eltern auf Zeit" und ihr Pflegekind zu treffen.

"Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Kinder bei 'Eltern auf Zeit' ein familiäres Umfeld haben, das positive Entwicklungschancen bietet." Dies sei für Kinder sehr wichtig und, so die Leiterin des Pflegekinder-Teams Birgit Voß, die seit mehr als zehn Jahren in diesem Aufgabenbereich tätig ist. Sie zeigte zu Beginn des gut besuchten Abends im Franz-Marc-Zimmer des Garchinger Bürgerhauses eine informative Präsentation. "Die Kinder bekommen ein festes Zuhause, sie erleben einen geregelten Alltag, sie erhalten stabile, einfühlsame Bezugspersonen.

Der Bedarf nach "Eltern auf Zeit" wächst


Pflegekinder können die verschiedensten Hintergründe haben. Die leiblichen Eltern könnten sich z.B. wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr ausreichend um das Wohl ihrer Kinder kümmern. "Im Jahr 2013 gab es im Landkreis München 35 Kinder unter zwölf Jahren, die aus ihren Familien genommen wurden. Diese hätten alle in Pflegefamilien unterkommen können, wenn es genug geben würde", erläuterte Max Zeidler, freier PR-Berater und Moderator der Veranstaltung. Auch Kinder aus Heimen versucht das Team zu vermitteln. Elke Strässle vom Pflegekinder-Team meinte, es wäre auch hier wichtig, dass die Kinder einmal "Familie erleben" dürfen.

Nicht jedes Kind passt in jede Familie


Um ein Pflegekind können sich verheiratete und unverheiratete Paare, aber auch alleinstehende Personen bewerben. "Einfühlsam, geduldig, belastbar und flexibel zu sein", seien laut Voß wichtige Eigenschaften für Bewerber. Des Weiteren sollten diese eine stabile Lebenssituation vorweisen können und genug Wohnraum zur Verfügung haben. Selbstverständlich würden "Eltern auf Zeit" finanziell unterstützt. Die finanzielle Unterstützung solle aber nicht Grund für eine Pflegschaft sein, betonte Birgit Voß. Dies gelte sowohl für "Eltern auf kurze Zeit", in der Bereitschaftspflege, als auch für "Eltern auf lange Zeit", in der Vollzeitpflege - für beide Formen bestehe akuter Bedarf.

Das Bewerbungsverfahren verlaufe über mehrere Monate und werde von Gesprächen zwischen dem Pflegekinder-Team und den potentiellen "Eltern auf Zeit" begleitet. Bewerbungsunterlagen müssten eingebracht werden, Seminare und Hausbesuche gehörten ebenfalls dazu. Eine Übersicht biete das Papier die "Acht Schritte zum Pflegekind". Am Ende dieses Prozesses entstehe so ein gemeinsam erarbeitetes Kinderprofil, welches Kind wirklich zu der zukünftigen Pflegefamilie passe.

"Empathie für die leiblichen Eltern entwickeln"


Nachdem "Eltern auf Zeit" ein Pflegekind aufgenommen haben, arbeite das Pflegekinder-Team weiter eng mit ihnen zusammen. Es sei dem Team ein Anliegen, weiterhin "den Blick des Kindes zu haben". So würden regelmäßige Besprechungen organisiert. Der Kontakt zu den leiblichen Eltern gehöre mit dazu.

An dieser Stelle begann eine reges Fragen-und Antworten-Gespräch mit dem Publikum. Viele praktische Fragen wurden an die "Eltern auf Zeit" Tineke und Hans Dekker gestellt, die mit ihrer ehemaligen Pflegetochter Isabella an dem Abend teilnahmen. Seit ca. 1985 kümmert sich das Ehepaar um Pflegekinder und hat sechs Kinder für lange Zeit bei sich aufgenommen. Die Schilderungen aus dem Alltag bereicherten die Aussagen von Birgit Voß und Elke Strässle.

"Das Verhältnis zu den leiblichen Eltern kann schwer sein", sagte die "Mutter auf Zeit" Tineke Dekker. Es sei aber wichtig, "Empathie für die leiblichen Eltern zu entwickeln". Denn diese spielten oft weiterhin eine Rolle und hätten in vielen Fällen bei erzieherischen Entscheidungen ein Mitspracherecht. Das Pflegekinder-Team trete hier als Puffer zwischen den beiden Familien auf und unterstütze bei alltäglichen, aber auch rechtlichen Entscheidungen.

Die zweite Familie bietet emotionale Sicherheit


Zukünftige "Eltern auf Zeit" sollten die gesamte eigene Familie mit in ihre Planung einbeziehen. Das ehemalige Pflegekind Isabella betonte, wie wichtig es für sie war, dass sie sich auch mit ihren Pflegegeschwistern gut verstanden habe. Rückblickend sei sie ihrer "Familie auf Zeit" für die "emotionale, und auch finanzielle Sicherheit" sehr dankbar. Gleichzeitig habe sie sich aber auch immer gut mit ihrer leiblichen Mutter verstanden.

Ein Highlight für Tineke und Hans Dekker als "Eltern auf Zeit" war es zu sehen, wie ihre Kinder und Pflegekinder "gemeinsam im Leben ankommen". Auch nach Beendigung der Pflegschaft mit Isabellas Abitur 2011 bestehe weiterhin ein Eltern-Kind-Verhältnis zu ihrem Pflegekind. Gerade wohne Isabella wieder bei ihnen, nachdem sie ihr Bachelor- Studium erfolgreich abgeschlossen habe und ein Praktikum in München absolviere.

Nächster Erstinformationsabend in Haar am 4.11.2014


Weitere Erstinfomationsabende finden am 4. November 2014 in Haar und am 20. Januar 2014 in Oberhaching statt. Mehr Informationen bietet die Internetseite www.elternaufzeit.landkreis-muenchen.de. Über die Mail- Adresse elternaufzeit@lra-m.bayern.de oder telefonisch unter 089/6221- 2699 können Interessierte direkt mit dem Pflegekinder-Team in Kontakt treten.