Freie Fahrt für MVG Rad im Landkreis München

05.10.2018

In Garching fällt heute der offizielle Startschuss für das neue Mietradsystem im Landkreis

Es gibt ein neues Mobilitätsangebot für die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis München: Nach zwei Jahren Planungs- und Bauzeit geht am 5. Oktober 2018 das Mietradsystem MVG Rad an den Start. Den Startschuss gaben am frühen Nachmittag Staatsministerin Ilse Aigner, Landrat Christoph Göbel und MVG-Geschäftsführer Ingo Wortmann, die gemeinsam die erste Radstation am Garchinger Maibaumplatz enthüllten und im Anschluss die ersten Meter auf den neuen Mieträdern zurücklegten.
MVG Rad ist das erste große Projekt des Landkreises zur Förderung des Radverkehrs in der Region, das in die Umsetzung geht. Damit führt der Landkreis als bundesweit erste Region außerhalb eines großen Stadtzentrums ein flächendeckendes Mietradsystem ein. Mit diesem innovativen Ansatz will der Landkreis seine Vorreiterrolle beim Thema neue Mobilitätssysteme unterstreichen. Die Erfahrungen aus diesem Modellprojekt sollen dann an weitere Regionen weitergereicht werden. Erst Anfang dieses Jahres hatte der Landkreis die Pilotstrecke für einen ersten Radschnellweg von der Münchner Stadtgrenze bis nach Unterschleißheim und Garching beschlossen.
Bayerns Verkehrsministerin Ilse Aigner: „Das Fahrrad ist auf kurzen und mittleren Strecken meist das schnellste und effektivste Verkehrsmittel. Wer kein eigenes Fahrrad vor Ort hat, für den ist ein Mietrad eine attraktive Alternative. Die Handhabung ist einfach und zeitgemäß – über eine App sind auch die Kosten strukturiert dargestellt. Das MVG Rad ist im Landkreis München ein großer Gewinn für die Mobilität im vernetzten Verkehr.“

Mehr als 160 Stationen in 21 Kommunen – Gesamtinvestitionsvolumen von 3,6 Mio. Euro

In insgesamt 21 der 29 Landkreiskommunen wird das MVG Rad künftig den Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung stehen. Voraussichtlich bis Mitte 2019 werden in folgenden Kommunen Mieträder installiert: Aschheim, Aying, Brunnthal, Feldkirchen, Garching b. München, Gräfelfing, Grünwald, Haar, Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Ismaning, Kirchheim b. München, Neubiberg, Neuried, Oberhaching, Oberschleißheim, Planegg, Pullach, Taufkirchen, Unterföhring, Unterhaching und Unterschleißheim.
Insgesamt werden 162 Stationen in den beteiligten Kommunen errichtet. Ausgestattet sind sie mit rund 1.400 Fahrradständern und rund 1.150 Fahrrädern. Rund 100 Stationen sollen noch 2018 errichtet werden – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Den Auftakt bilden die Stadt Garching und die Gemeinde Ismaning. Dort stehen aktuell bereits 13 Stationen (10 in Garching, 3 in Ismaning). Zeitnah folgen werden die Gemeinden Gräfelfing, Unterföhring und Oberschleißheim. Bis Juni 2019 sollen alle teilnehmenden Kommunen an das Mietradnetz angeschlossen sein. Aufgebaut werden die Stationen insbesondere in Gewerbegebieten, an S- und U-Bahnhaltestellen, Bushaltestellen, in Ortszentren, Wohngebieten und weiteren Standorten mit hoher Publikumsfrequenz.
Die Gesamtinvestitionen für die Ausweitung des MVG Rads in den Landkreis belaufen sich auf rund 3,6 Mio. Euro – Tiefbaukosten nicht mit eingerechnet. Letztere tragen die teilnehmenden Kommunen selbst, ebenso wie die Vorbereitung der Grundstücke. Für das Modellprojekt erhält der Landkreis eine umfangreiche Förderung des Bundes. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit unterstützt das Vorhaben des Landkreises mit mehr als drei Millionen Euro. Die verbleibenden Kosten übernehmen der Landkreis und die beteiligten Kommunen paritätisch zu je 50 Prozent. Einige Kommunen haben zudem Sponsoren für ihre Stationen akquiriert. Auch bei den nicht durch Einnahmen gedeckten Betriebskosten beteiligen sich Landkreis und Kommunen zu gleichen Teilen. Je mehr gefahren wird, desto geringer sind die von Kommunen und Landkreis auszugleichenden Kosten. Auch dies ist bundesweit ein Novum.
Das System muss nach Vorgaben des Fördergebers mindestens fünf Jahre betrieben werden. Für eine Entscheidung, wie es danach weitergeht, wird in dieser Zeit eine umfangreiche Evaluation durchgeführt – auch um zu erkennen, wo und wie das Angebot genutzt wird, und um gegebenenfalls konzeptionell nachbessern zu können.
„Heute schlagen wir ein neues Kapitel in Sachen Mobilität auf“, zeigte sich Landrat Christoph Göbel sichtlich erfreut. „Neue verkehrliche Möglichkeiten zu schaffen, ist eine der dringlichsten Herausforderungen – nicht nur im Landkreis München, sondern in der gesamten Metropolregion und im ganzen Land. Dabei dürfen wir uns nicht auf eine Mobilitätsform oder bestimmte Infrastrukturen beschränken, sondern müssen multimodal und über Stadt- und Landkreisgrenzen hinaus denken. In Zukunft muss und wird es immer mehr solcher übergreifender Systeme geben. Mit der Einführung des MVG Rads machen wir heute einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Ich hoffe, dass die Bürgerinnen und Bürger dies auch als echte Alternative oder Ergänzung zu PKW und Schiene erkennen und mittel- oder langfristig auf Systeme wie dieses umsteigen werden“, so der Landrat, der darüber hinaus auch seinen Dank an Bund und Kommunen richtete, mit deren großzügiger finanzieller und engagierter Beteiligung die Errichtung eines landkreisweiten Mietradsystems erst möglich geworden sei.

Ein System für Stadt und Land – ein System für die Bürger

In der Landeshauptstadt wird das Mietradsystem bereits seit 2015 erfolgreich betrieben. Mit aktuell 1.200 Rädern und 126 Stationen bietet es dort eine ideale Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs und findet große Zustimmung bei den Nutzern. Eine Aufstockung der Mieträder im Stadtgebiet um weitere 2.000 Stück ist bereits beschlossen, sodass künftig 4.350 MVG Räder in Stadt und Landkreis München zur Verfügung stehen werden – ein im Verhältnis zu anderen deutschen Großstädten stattliches Angebot.
Im Dezember 2016 hatte der Kreistag des Landkreises München beschlossen, das in der Landeshauptstadt München bereits etablierte System MVG Rad auf das Landkreisgebiet auszuweiten und der engen infrastrukturellen Verbindung von Stadt und Landkreis München somit ein weiteres Element hinzuzufügen. Der Münchner Stadtrat hatte dem Vorhaben im Februar 2017 zugestimmt. Zur Umsetzung des gemeinsamen Mietradsystems waren Landkreis und Landeshauptstadt eine umfassende Kooperation im Rahmen des Gesetzes über die Kommunale Zusammenarbeit (KommZG) eingegangen. Eine entsprechende Zweckvereinbarung wurde zwischen den beiden Kommunen 2017 geschlossen.
Die Entscheidung, das in der Stadt bereits etablierte System nun auch im Landkreis einzuführen, war vor allem auch eine Entscheidung im Sinne der Nutzerfreundlichkeit. Bürgerinnen und Bürger, die das MVG Rad nutzen wollen, finden das gleiche System vor, egal, ob sie sich im Landkreis oder in der Stadt bewegen. Die Räder können und sollen über Gemeinde-, Stadt- und Landkreisgrenzen hinaus bewegt werden. Auch preislich unterscheiden sich Stadt und Land nicht.
Oberbürgermeister Dieter Reiter: „Die Herausforderungen des wachsenden Verkehrs hören längst nicht mehr an der Stadtgrenze auf. Um sie zu bewältigen, sind regionale Kooperationen und Gemeinschaftsprojekte erforderlich. Ebenso ist der Umstieg auf nachhaltige Verkehrsmittel ein wichtiges Ziel – nicht nur für die Stadt München, sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus. Dabei kommt vor allem dem Fahrrad als umwelt- und klimafreundliches, gesundes, kostengünstiges und flächensparendes Verkehrsmittel eine wachsende Bedeutung zu. Das Mietradsystem der Münchner Verkehrsgesellschaft MVG Rad ist dafür ein herausragendes Beispiel. Es wird in München bereits sehr gut angenommen und soll nun auch in der Region dazu beitragen, die Akzeptanz und Verbreitung des Radverkehrs weiter zu steigern.“
Stadt, Landkreis, Kommunen und städtische Betriebe arbeiten Hand in Hand am Aufbau des MVG Rads
Entwickelt und aufgebaut wurde das System über die städtische Tochtergesellschaft Stadtwerke München (SWM), die nun auch für die Ausweitung des MVG Rads auf das Landkreisgebiet zuständig ist. Um den Betrieb des Systems kümmert sich die ebenfalls städtische Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Die Planung des Mietrads für den Landkreis München erfolgt Hand in Hand zwischen der MVG, dem Landkreis sowie den beteiligten Kommunen. Die Münchner Verkehrsgesellschaft beschafft die Räder sowie die benötigten Einzelteile der Radstation wie Stele, Fahrradständer und Hardware, montiert die Station und betreibt das System. Die Kommunen stellen entsprechende Standortflächen zur Verfügung, erstellen die notwendigen Detailplanungen und übernehmen die Tiefbauarbeiten. Der Landkreis übernimmt die Koordination zwischen Kommunen und Fördergeber.
„MVG Rad ist in München ein großer Erfolg: Wir haben bereits über 100.000 Kunden, die seit dem Start des Systems im Herbst 2015 mehr als 1,1 Millionen Fahrten zurückgelegt haben. Die MVG Radler nutzen die Mieträder, um spontan, flott und umweltfreundlich an ihr individuelles Ziel zu kommen“, so MVG-Chef Ingo Wortmann. „MVG Rad steht für mehr Mobilität ohne Abgase und ohne Stau. Durch den weiteren Ausbau im Landkreis München wird das System nun noch attraktiver. Es vernetzt die Kommunen untereinander und das Umland mit der Stadt. Als Teil des öffentlichen Nahverkehrs ist MVG Rad auch ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen den Verkehrsinfarkt und für saubere Luft. Und es zeigt, dass alle an einem Strang ziehen, um gemeinsam die Zukunft in der Metropolregion zu gestalten. SWM und MVG freuen sich auf viele neue Radkunden im Landkreis“, so der Geschäftsführer weiter.

Wichtigstes Tool für das Mietrad: die App „MVG more“

Das Mietradsystem im Landkreis ist ein stationsbasiertes System. Die Räder können nur an einer installierten Station ausgeliehen und zurückgegeben werden. Eine Ausnahme davon findet sich lediglich in Garching am Campus der Technischen Universität München. Dort wird ein Geschäftsgebiet eingerichtet, in dem auch die freie Rückgabe der Räder möglich sein wird (Free-Float-Gebiet). Das heißt, man kann die Räder innerhalb eines definierten Gebiets an geeigneten Orten im öffentlichen Raum abstellen, nicht nur an den fest installierten Stationen.
Ansonsten finden die Nutzer die gleichen Bedingungen vor, die bereits aus der Landeshauptstadt bekannt sind: Die Minute in der Einzelnutzung kostet 8 Cent, Studierende und Kunden mit IsarCard-Abonnement der MVG zahlen den ermäßigten Preis von 5 Cent pro Minute. Das Jahrespaket gibt es für 48 Euro pro Jahr. Kunden mit IsarCard-Abonnement der MVG zahlen 36 Euro, Studierende sogar nur 12 Euro pro Jahr.
Um das MVG Rad nutzen zu können, benötigen Kunden die App "MVG more". Diese kann gratis im App Store oder im Google Play Store heruntergeladen werden. Nach einmaliger Registrierung können Kunden das Angebot sofort nutzen und über die App ein MVG Rad finden und ausleihen sowie ihre Daten verwalten. Die App "MVG more" ist der Schlüssel zum MVG Rad – sie bietet mittels Ortsplan und Ortung via GPS einen schnellen und aktuellen Überblick über verfügbare Räder in der Umgebung.
Erste Testfahrten mit dem MVG Rad beim Garchinger Bürgerfest
Nach Herzenslust ausprobiert werden konnte das MVG Rad auch beim Bürgerfest, das die Stadt Garching mit Unterstützung von Landkreis und MVG anlässlich der offiziellen Auftaktveranstaltung rund um den Garchinger Maibaumplatz organisiert hatte. Gemeinsam hatten die Beteiligten dafür ein buntes Aktivprogramm auf die Beine gestellt. Interessierte hatten die Möglichkeit, die MVG Räder einem ersten Test zu unterziehen, an der Radlwaschanlage die eigenen Zweiräder sauberzumachen, sich beim Slowbiking-Contest im Langsamfahren zu üben oder bei Polizei, ADFC und MVG spannende und wichtige Informationen rund um das Radfahren zu erhalten. Für einige glückliche Gewinner gab es außerdem Gutscheine, um das MVG Rad auch im Alltag einmal kostenlos auszuprobieren.