Seit Corona auch ein Thema in der Mittelschicht: Nichtbezahlte Rechnung – was nun?

Foto: Geldscheine und Münzen

Geld Leistungen

+++ Eine Pressemitteilung der Cartias-Dienste Landkreis München +++

Am 15. März 2020 wurde im Freistaat Bayern wegen des Coronavirus der Shutdown ausgerufen. In der bayerischen Metropole war es auf den Straßen fast unheimlich still, das öffentliche Leben kam zum Erliegen. Die Grundversorgung wurde zwar gewährleistet, aber alle übrigen Einrichtungen des öffentlichen Lebens wurden entweder teilweise oder ganz geschlossen. Viele Arbeitgeber schickten ihre Mitarbeiter ins Homeoffice oder in die Kurzarbeit. Manchen Arbeitnehmern wurde sogar sofort gekündigt und sie wurden arbeitslos. Auch sieben Monate später beherrscht die Corona-Pandemie noch das private, öffentliche und berufliche Leben und ein neuer Teil-Lockdown gilt den ganzen Monat November.

Keine leichte Situation. Milliarden wurden innerhalb kürzester Zeit in Form von Hilfsprogrammen der Bundes- und Bayerischen Landesregierung zur Verfügung gestellt. Dennoch wurden schlagartig zahlreiche Bürgerinnen und Bürger mit einer veränderten finanziellen Situation konfrontiert, unabhängig vom Arbeitgeber oder der Position im Job. Sowohl Angestellte als auch Selbstständige und Freiberufler sind nach wie vor von mitunter gravierenden finanziellen Einbußen betroffen. Laut Statistischem Bundesamt ist die Erwerbstätigkeit in ganz Deutschland gesunken und es sind die größten jemals gemessenen Rückgänge der Bruttomonatsverdienste von bis zu minus 20 Prozent, je nach Branche, zu verzeichnen.

Viele hat dies völlig unvorbereitet getroffen. Einige wurden zum ersten Mal gezwungen, ihre finanzielle Situation näher unter die Lupe zu nehmen und sahen sich dazu genötigt, ihre monatlichen Ausgaben den regelmäßigen Einnahmen gegenüberzustellen.

Wenn das Einkommen sinkt, wie jetzt bei vielen Menschen, die in Folge der Pandemie ihren Arbeitsplatz verlieren oder Auftragseinbrüche erleiden, stellen hohe regelmäßige Zahlungsverpflichtungen wie Kreditraten oder Wohnkosten für sie eine bedrückende ökonomische und zugleich psychische Belastung dar. Leicht kann dies in einer Spirale der Überschuldung und Überforderung münden.

„Ganze Branchen wie die Gastronomie, der Messebau, die Kultur liegen brach. Jobs, insbesondere Nebenjobs, fallen weg. Das Risiko von Verschuldung wächst und damit auch das Armutsrisiko. Das trifft auch zahlreiche Menschen, die zuvor in gesicherten Verhältnissen lebten“, analysiert der Präsident des Deutschen Caritasverbandes Peter Neher. Gemeint ist hier die sog. Mittelschicht, Menschen, die immer gearbeitet haben und über gewisse finanzielle Rücklagen verfügen. Doch je länger die Pandemie mit den einhergehenden wirtschaftlichen Einbußen dauert, sind auch diese früher oder später aufgebraucht.

Mit dieser Realität sind auch die Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen der Caritas-Dienste Landkreis München direkt konfrontiert. So melden sich bei den Beratungsstellen, die vom Landkreis München finanziert werden, auch Ratsuchende, die in der Vergangenheit noch nie mit ihren Zahlungen in Verzug gekommen waren oder noch nie ein Schreiben von einem Rechtsanwalt oder einem Inkassodienstleister erhalten haben. Viele Klienten sind verängstigt und ratlos, wie sie darauf reagieren sollen.

Der Rat der Caritas Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen des Landkreises München lautet:

  • Lassen Sie sich von einem Schreiben eines Inkassounternehmens nicht einschüchtern.
  • Prüfen Sie, ob tatsächlich ein Anspruch gegen Sie besteht, z.B. haben Sie die Ware tatsächlich bestellt.
  • Bei einem Kredit: Sprechen Sie mit dem Vertragspartner, ob eine Anpassung der Ratenhöhe und Laufzeit möglich ist.
  • Verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Forderungsaufstellung korrekt ist. Inkassodienstleister stellen den Schuldnerinnen und Schuldnern nicht nur zulässige Kosten, sondern mitunter auch beschränkt zulässige bzw. nicht zulässige Kosten in Rechnung.
  • Sollten Sie bei einer strittigen Forderung einen Mahnbescheid erhalten haben, so haben Sie die Möglichkeit entweder einen Teil- oder Gesamtwiderspruch einzulegen. Versäumen Sie dies nicht! Ansonsten kann aus einem Mahnbescheid ein Vollstreckungsbescheid werden. Der Vollstreckungsbescheid ist ein sog. Titel, womit sich der Gläubiger die strittige Forderung für die kommenden 30 Jahre gesichert hat.
  • Beantragen Sie einmal im Jahr eine kostenlose Selbstauskunft nach § 34 BDSG, Art. 15 EU DS-GVO, um ihre Eintragungen bei der SCHUFA zu überprüfen.
  • Suchen Sie den fachlichen und kostenfreien Rat bei der für Sie zuständigen Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle. Diese berät Sie gerne, nicht nur zum Thema Schuldenregulierung, sondern auch zum Thema Budgetberatung.

Bei einer Budgetberatung wird die ökonomische Lage des Ratsuchenden mit Blick auf das Haushalts- und Ausgabenverhalten betrachtet. Ziel dabei ist es, bestehende Probleme zu klären und so die Überschuldung zu reduzieren bzw. zu überwinden und v.a. auch Neuverschuldung zu vermeiden. Mit dem klassischen Instrument des Haushaltsplans werden (monatliche) Einnahmen und Ausgaben gegenübergestellt, Einsparpotenziale gesucht oder nicht genutzte Sozialleistungen eruiert. Kontoauszüge werden gesichtet, um evtl. (weitere) Gläubiger, überzogene Konten, die zu hohen Dispozinsen führen, u.v.a.m. aufzudecken.

Erfahrene Schuldnerberaterinnen und -berater erarbeiten mit Ihnen individuelle Handlungsvorschläge, um ein finanzielles Gleichgewicht zu erhalten bzw. wiederherzustellen.

Hier finden sie alle Ansprechpartner in Sachen Schuldner- und Insolvenzberatung im Landkreis München.