Zuhause für alle – Wege zum inklusiven Wohnen

Inklusionstag zum Thema selbstbestimmtes Wohnen für Menschen mit Behinderung

Eine eigene Wohnung und die Freiheit, über das eigene Leben zu entscheiden – was für viele selbstverständlich ist, stellt für Menschen mit Behinderungen häufig eine Herausforderung dar. Mit dem diesjährigen Inklusionstag setzte der Landkreis München ein Zeichen für mehr Bewusstsein, Austausch und konkrete Schritte hin zu inklusiven Wohnmöglichkeiten. Unter dem Motto „Zuhause für alle – Wege zum inklusiven Wohnen“ lud das Inklusionsteam des Landratsamts München Anfang Dezember zu einem vielseitigen Programm aus Fachvorträgen und Dialogformaten in Riem ein.

Trotz rechtlicher Fortschritte und wachsender Sensibilität in der Gesellschaft fehlt es noch immer an barrierefreiem und inklusivem Wohnraum. Nach aktuellen Schätzungen sind deutschlandweit lediglich rund zwei Prozent aller Wohnungen barrierefrei. Für viele Menschen mit Behinderung bedeutet dies eingeschränkte Wahlmöglichkeiten und weniger Selbstbestimmung. Dabei ist ein selbstbestimmtes Zuhause eine zentrale Voraussetzung für gleichberechtigte Teilhabe und ein Leben mitten in der Gesellschaft.

Ziel des Inklusionstags war es, gemeinsam Perspektiven zu entwickeln, wie inklusives Wohnen im Landkreis München weiter gestärkt werden kann. Besonders erfreulich war die Vielfalt der Teilnehmenden: Neben Betroffenen, interessierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Vertreterinnen und Vertreter von Einrichtungen der Behindertenhilfe, Sozialvereinen und Verbänden nahm auch der Erste Bürgermeister der Gemeinde Unterhaching, Wolfgang Panzer, an der Veranstaltung teil.

Impulse aus Fachvorträgen und Austauschformaten

Das Programm bot den Teilnehmenden zahlreiche praxisnahe Einblicke in unterschiedliche Wohnformen und Unterstützungsangebote. Zum Auftakt sprach Fabienne Ranzinger von der Lebenshilfe München e. V. zum Thema „Selbstbestimmt und vielfältig: Wohnen mit Behinderung“. In ihrem Vortrag ging sie der zentralen Frage nach, wie und wann Menschen mit Beeinträchtigungen aus dem Elternhaus ausziehen möchten und können. Anhand eines Überblicks über verschiedene Wohnmöglichkeiten zeigte sie auf, wie individuelle Wünsche, Bedürfnisse und Lebensentwürfe berücksichtigt werden können. Im Mittelpunkt stand dabei stets das Ziel, selbstbestimmtes Wohnen zu ermöglichen und gleichberechtigte Teilhabe zu fördern – unabhängig von Unterstützungsbedarf oder Lebensphase.

Im Anschluss referierte Carola Nick vom Kompetenzzentrum Barrierefreies Wohnen zum Thema „Wohnberatung und Wohnungsanpassung: Zuhause wohnen – sicher und selbstbestimmt“. Unter der Leitfrage „Zuhause bleiben, aber wie?“ stellte sie verschiedene kleine und größere Anpassungsmöglichkeiten vor, mit denen die eigene Wohnung barrierefrei gestaltet werden kann. Darüber hinaus informierte sie über mögliche Finanzierungswege sowie weiterführende Unterstützungsangebote. Als Dipl.-Pflegewirtin (FH) und Wohnberaterin zeigte sie auf, wie es auch bei bestehender Behinderung oder zunehmenden Einschränkungen gelingen kann, möglichst lange sicher und selbstbestimmt im vertrauten Zuhause zu leben.

Den Abschluss bildete der Vortrag von Tobias Polsfuß vom Verein WOHN:SINN, der konkrete inklusive Wohnprojekte vorstellte – von der ersten Idee bis zur erfolgreichen Umsetzung. Der Verein begleitet inklusive Wohngemeinschaften, Haus- und Hofgemeinschaften sowie ganze Quartiersprojekte. Anhand von Erfolgsbeispielen veranschaulichte der Referent, wie Menschen mit und ohne Behinderung in inklusiven Wohnformen selbstbestimmt und in aktiver Gemeinschaft zusammenleben können. Zudem zeigte er auf, wie Interessierte selbst aktiv werden können – sei es als Privatperson, Träger der Behindertenhilfe oder Immobilienbesitzer. 

In der Mittagspause nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich an den Infoständen der Beratungsstelle Barrierefreiheit, Zukunft trotz Handicap e. V. und dem Behindertenbeirat des Landkreises München zu informieren und miteinander ins Gespräch zu kommen.

„Wohnen bedeutet weit mehr als ein Dach über dem Kopf: Es bedeutet Sicherheit, Selbstbestimmung und Teilhabe“, betonte Moderatorin Melanie Aneder vom Sachgebiet Sozialplanung für Senioren und Inklusion des Landratsamts München, die den Inklusionstag organisierte. „Der Inklusionstag soll dazu beitragen, Wege zu eröffnen, wie Menschen mit Behinderungen so wohnen können, wie sie es sich wünschen und mit all dem, was sie dafür benötigen“, so Melanie Aneder weiter. 

In der abschließenden Austauschrunde machten die Teilnehmenden deutlich, dass insbesondere fehlende finanzielle Fördermöglichkeiten und der Mangel an barrierefreiem Wohnraum zentrale Herausforderungen bleiben. Gleichzeitig hoben viele hervor, wie wertvoll die vorgestellten Beispiele, Vernetzungsmöglichkeiten und konkreten Handlungsideen seien – sie geben spürbare Impulse, um inklusives Wohnen im Landkreis München weiter voranzubringen.

Mit dem Inklusionstag setzt der Landkreis München einen weiteren Impuls im Rahmen des Aktionsplans Inklusion, der aktuell fortgeschrieben wird.