Klimaangepasste Straßenräume

Vom Konzept zur kommunalen Praxis

Mehr Grün, weniger Versiegelung und ein besserer Umgang mit Regenwasser: Beim 29++ Klimastammtisch „Best Practice Klimaanpassung“ des Landkreises München stand die klimaangepasste Gestaltung von Straßenräumen im Mittelpunkt. Über 40 Teilnehmende aus den Landkreis-Kommunen kamen dazu Ende September in Unterhaching zusammen.

Wie können Straßenräume auch bei zunehmender Hitze und Starkregen lebenswert und funktionsfähig bleiben? Mit dieser Frage beschäftigten sich Klimaschutzmanagerinnen und -manager sowie Mitarbeitende aus Bauabteilungen und Tiefbau der Landkreis-Kommunen beim 29++ Klimastammtisch in Unterhaching.

Unterhachings Erster Bürgermeister Korbinian Rausch begrüßte die Teilnehmenden persönlich. In seinem Grußwort machte er deutlich, dass ihm die zukunftsgerichtete Weiterentwicklung der Straßenräume ein wichtiges Anliegen ist. Darin sieht er nicht nur eine Antwort auf die Folgen des Klimawandels, sondern auch die Chance, lebenswerte Straßenräume für die Bürgerinnen und Bürger zu gestalten und die Aufenthaltsqualität vor Ort zu verbessern.

Den fachlichen Einstieg gab Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Dickhaut von der HafenCity Universität Hamburg. Anhand des Forschungsprojekts „BlueGreenStreets“ und Beispielen unter anderem aus Hamburg und Lübeck zeigte er, wie Straßenräume durch das Zusammenspiel von Begrünung, Regenwassermanagement und Entsiegelung klimaangepasst weiterentwickelt werden können. 

Ausprobieren, Erfahrungen sammeln, weiterentwickeln

Doch was in einer Großstadt funktioniert, lässt sich nicht eins zu eins auf kleinere Kommunen übertragen. Andere Straßenquerschnitte, begrenzte Flächen und bestehende Nutzungsansprüche stellen die Planung vor besondere Herausforderungen. Genau hier setzte das anschließende Praxisbeispiel der Gemeinde Unterhaching an.

Dabei versteht sich Unterhaching selbst nicht als fertiges „Best-Practice-Beispiel“. Vielmehr geht es darum, auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und die Planung mit jedem Projekt ein Stück weiterzuentwickeln. Die Gemeinde schätzt realistisch ein, dass unter den örtlichen Rahmenbedingungen nur einzelne Elemente aus den fachlichen Empfehlungen von BlueGreenStreets umgesetzt werden können. Doch auch kleinere Grünflächen, zusätzliche Baumstandorte, Mulden zur Versickerung und/oder Verdunstung von Regenwasser oder einzelne entsiegelte Stellplätze leisten einen Beitrag zur Klimaanpassung.

Eine wichtige Erkenntnis des Austauschs: Blau-grüne Elemente sollten insbesondere dann mitgedacht werden, wenn Straßen ohnehin umgebaut werden. Stehen beispielsweise im Zuge der kommunalen Wärmeplanung Arbeiten für den Ausbau der Geothermie an und muss eine Straße dafür geöffnet werden, bietet sich die Gelegenheit, bei der anschließenden Neugestaltung gleichzeitig Potenziale für Entsiegelung, Regenwasserrückhalt und -versickerung oder zusätzliche schattenspendende Bäume zu prüfen. So können notwendige Baumaßnahmen genutzt werden, um Straßenräume Schritt für Schritt klimaangepasster und lebenswerter zu gestalten.

Das Beispiel Unterhaching zeigt damit auch: Nicht jede Straße braucht sofort die perfekte Lösung. Entscheidend ist, anzufangen, die beteiligten Fachplanungen frühzeitig an einen Tisch zu holen, gemeinsam vorhandene Spielräume auszuloten und unterschiedliche Möglichkeiten in der Praxis zu erproben. Mit jedem umgesetzten Projekt können neue Erfahrungen gesammelt und die Planung Schritt für Schritt weiterentwickelt werden.

Bei einer anschließenden Besichtigung der Baustelle am Mühlweg konnten sich die Teilnehmenden selbst ein Bild von der praktischen Umsetzung machen und offene Fragen direkt vor Ort diskutieren.

Der 29++ Klimastammtisch ist ein regelmäßiges Austauschformat des Landkreises München für die Klimaschutz-, Klima- und Umweltbeauftragten der 29++ Kommunen. Für das Thema klimaangepasste Straßenräume wurde der Teilnehmerkreis gezielt um Fachleute aus Bau und Tiefbau erweitert.