Klimawandel hat viele Gesichter
Ausstellung „Klimaflucht“ noch bis 30. Oktober im Landratsamt München zu sehen

Gruppenbild mit Insulanerin: (v.l.) Jens Diehr, Sachgebietsleiter Energie und Klimaschutz am Landratsamt München, Thomas Münchow vom Team Klimafolgenanpassungsmanagement, Ausstellungsfigur vom Korallenatoll Tokelau im Südpazifik, Jochen Döring (Ha-Ile e. V.), Luisa Ehmke (Klimafolgenanpassungsmanagement) und Andrea Rückert vom SchuPa-Tansania e. V.
Was bedeutet es, wenn das Meer die eigene Heimat bedroht, Gletscher verschwinden oder Wasser so knapp wird, dass Landwirtschaft nicht mehr möglich ist? Die Ausstellung „Klimaflucht“ der Deutschen KlimaStiftung gibt darauf sehr persönliche Antworten. Lebensgroße Figuren erzählen von Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt, deren Leben durch den Klimawandel bereits heute tiefgreifend verändert wird. Noch bis zum 30. Oktober ist die Ausstellung im Landratsamt München zu sehen.
Die Geschichten führen unter anderem in den Südpazifik, nach Alaska und Bolivien. Eine Bewohnerin des Korallenatolls Tokelau berichtet von steigendem Meeresspiegel, zunehmenden Zyklonen, langen Dürren und Trinkwassermangel. Obwohl die Menschen auf den Inseln selbst nur einen sehr kleinen Anteil zur Erderwärmung beitragen, bedroht der steigende Meeresspiegel ihre Heimat unmittelbar.
Auch Jeri Skyelar Okbaok, eine Inupiat von der St.-Lorenz-Insel in der Beringsee vor Alaska, erlebt die Veränderungen unmittelbar. Das Meereis wird dünner, Tierarten verschwinden. Gemeinsam mit ihrem Mann denkt sie darüber nach, die Insel zu verlassen.
Eine Bäuerin aus Bolivien wiederum erzählt, wie zunehmende Wasserknappheit ihre Lebensgrundlage zerstört hat. Durch steigende Temperaturen sind Gletscher in den Anden teilweise vollständig abgeschmolzen. Das gefährdet die Wasserversorgung ganzer Regionen. Die Frau musste ihre Landwirtschaft aufgeben und ihren Heimatort verlassen.
Klimawandel verbindet weit entfernte Orte
Die Ausstellung zeigt zugleich, dass die Folgen des Klimawandels nicht nur weit entfernte Regionen treffen. Ein Bewohner einer Hallig an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste berichtet vom steigenden Meeresspiegel und regelmäßigen Überflutungen. Ein Junge aus der Schweiz erzählt davon, wie tauender Permafrost das Leben und Arbeiten auf der Alp seiner Familie verändert.
Gerade diese Verbindungen machen die Ausstellung besonders anschaulich: Wenn Gletscher schmelzen, fehlt andernorts Trinkwasser. Gleichzeitig trägt das Schmelzwasser zum Anstieg der Meeresspiegel bei und bedroht Inseln und Küstenregionen tausende Kilometer entfernt.
Die persönlichen Geschichten zeigen damit anschaulich, was abstrakte Begriffe wie Erderwärmung, Meeresspiegelanstieg oder Klimafolgen im Alltag von Menschen bedeuten können.
Klimawandel ist auch im Landkreis München spürbar
Auch im Landkreis München sind die Folgen des Klimawandels längst angekommen. Im Rahmen einer Begleitveranstaltung zur Ausstellung in der Woche der Klimaanpassung zeigte das Team Klimafolgenanpassung des Landratsamts, wie sich das Klima vor Ort verändert und welche Folgen damit verbunden sind. Die mittlere Jahrestemperatur steigt seit Jahrzehnten. Gleichzeitig nehmen Hitzeperioden, Tropennächte und extreme Wetterereignisse an Bedeutung zu. Die Entwicklung gewinnt in den letzten Jahren deutlich an Dynamik. Der vergangene Sommer hat besonders deutlich vor Augen geführt, wie stark hohe Temperaturen den Alltag belasten können. Starkregenereignisse wiederum können innerhalb kurzer Zeit Straßen, Keller und Infrastruktur überfluten. Der Landkreis München beschäftigt sich deshalb seit vielen Jahren mit dem Klimaschutz und verstärkt zugleich seine Aktivitäten zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Mit der „29++ Klima. Energie. Initiative.“, der Aktion Zukunft+ und dem Klimafolgenanpassungsmanagement unterstützt der Landkreis Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung – vor Ort ebenso wie im Globalen Süden.
Konkrete Hilfe in Tansania
Wie praktische Unterstützung aussehen kann, zeigten bei der Begleitveranstaltung zwei Initiativen aus dem Landkreis München.
Jochen Döring vom Haarer Verein Ha-Ile e. V. berichtete von den Veränderungen im südwestlichen Hochland Tansanias. Kürzere Regenzeiten, geringere Niederschläge und zugleich häufigerer Starkregen erschweren dort die Landwirtschaft. Ernteausfälle treffen die Menschen in einer Region, die als eine der Kornkammern Tansanias gilt, besonders hart.
Der Verein unterstützt deshalb unter anderem ein nachhaltiges Wassermanagement. Kirchengebäude werden mit Regenrinnen und Wassertanks ausgestattet, Brunnen gebohrt und Seminare für eine an die veränderten Bedingungen angepasste Landwirtschaft angeboten.
Andrea Rückert vom SchuPa-Tansania e. V. zeigte, wie Schulpartnerschaften zwischen Deutschland und Tansania ebenfalls konkrete Verbesserungen bewirken können. Zu den beteiligten Schulen gehören auch das Ernst-Mach-Gymnasium in Haar und das Kurt-Huber-Gymnasium in Gräfelfing im Landkreis München.
Durch das Engagement konnten beispielsweise Solaranlagen installiert werden. Sie liefern Strom für Wasserpumpen, mit denen Schulgärten bewässert werden. So steht den Jugendlichen regelmäßig frisches Gemüse zur Verfügung. In einem ergreifenden Filmbeitrag konnten die Besucher zudem erleben, welch intensive persönliche Verbindungen zwischen jungen Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen durch die Partnerschaften entstehen können.
Ausstellung noch bis 30. Oktober
Das Landratsamt München beteiligte sich an der bundesweiten „Woche der Klimaanpassung“ vom 14. bis 20. September, die Ausstellung „Klimaflucht“ ist
weiterhin bis zum 30. Oktober im Landratsamt München, Mariahilfplatz 17, zu den Öffnungszeiten des Landratsamts zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Fotowettbewerb „Cool durch den Sommer“ – mitmachen bis zum 20. Oktober!
Noch bis zum 20. Oktober gibt es die Möglichkeit, beim Fotowettbewerb „Cool durch den Sommer! Was hat dir in den Sommerferien bei Hitze geholfen?“ mitzumachen.
Mit dem Fotowettbewerb zum Umgang mit Hitze während der Sommerferien möchte das Landratsamt München Kinder dazu einladen, ihre eigenen Ideen und Perspektiven festzuhalten. Ob ein schattiger Lieblingsplatz, eine kreative Abkühlung oder eine andere Idee für heiße Tage – gesucht werden Fotos, die zeigen, wie Kinder mit sommerlicher Hitze umgehen.
Teilnahmebedingungen und weitere Informationen gibt es auf der Plattform „Mein Landkreis München“:
mein-landkreis-muenchen.de/discuss/klimafolgenanpassung
Weitere Informationen zum Thema Klimafolgenanpassung im Landkreis München auf der Plattform „Mein Landkreis München“: mein-landkreis-muenchen.de/discuss/klimafolgenanpassung
zur Aktion Zukunft+:
www.aktion-zukunft-plus.de
zur 29++ Klima. Energie. Initiative.:
www.29plusplus.de
zur Patenschaft Haar-Ilembula:
www.ilembula.de
zum SchuPa Tansania e. V.:
www.schupa-tansania.de

