Landkreis treibt autonomes Fahren im ÖPNV voran

Erste fahrerlose Busse sollen im On-Demand-Betrieb FLEX eingesetzt werden

Autonom fahrende Busse und Shuttles könnten schon bald auch im Landkreis München zum Alltag gehören. Der Ausschuss für Mobilität und Infrastruktur hat sich unlängst dafür ausgesprochen, gemeinsam mit der MVV GmbH die schrittweise Einführung autonomer Verkehrsangebote im Landkreis vorzubereiten. Beginnen soll der Prozess beim On-Demand-Services FLEX. Nach erfolgreicher Erprobung soll auch der Einsatz im Regionalbusverkehr untersucht werden.

Hintergrund sind steigende Mobilitätsbedarfe, der Fachkräftemangel im Fahrdienst, wachsende finanzielle Herausforderungen im öffentlichen Personennahverkehr sowie die Ziele der Mobilitäts- und Klimawende. Autonomes Fahren gilt dabei als eine zentrale Zukunftstechnologie. Es kann helfen, den ÖPNV verlässlicher, flexibler und langfristig wirtschaftlicher aufzustellen – sowohl in dicht besiedelten Räumen als auch in weniger gut angebundenen Gebieten.

Der Landkreis München engagiert sich bereits heute in mehreren regionalen Projekten zum autonomen Fahren. Zentrales Vorhaben ist die Modellregion Region München im Rahmen der interkommunalen Allianz „Mobile Zukunft München & Region“ (MZM). Ziel ist es, die Region München zu einer international führenden Modellregion für autonomes Fahren im straßengebundenen ÖPNV und Güterverkehr zu entwickeln. Bis 2035 sollen im MVV-Raum 500 autonome Busse und 2.000 Shuttles unterwegs sein. Langfristig sieht die Vision 5.000 autonome Busse und 20.000 Shuttles vor.

Landkreis bekommt Vorreiterrolle

Dem Landkreis München kommt dabei eine besondere Rolle zu: In der Einführungsphase sind Testbetriebe im On-Demand-Service FLEX vorgesehen. Denn kleinere autonome Fahrzeuge, wie sie im FLEX-Betrieb zum Einsatz kommen, werden voraussichtlich früher verfügbar sein als große Linienbusse. Deshalb soll zunächst der flexible Bedarfsverkehr erprobt werden. Perspektivisch soll autonomes Fahren auch im Regionalbusverkehr möglich werden.

Landrat Christoph Göbel freut sich über die breite Zustimmung im Ausschuss: „Autonomes Fahren ist kein Selbstzweck. Es muss den Menschen dienen.“ Und weiter: „Wenn es gelingt, damit den ÖPNV verlässlicher, flexibler und bezahlbarer zu machen, ist das eine große Chance für den Landkreis München. Gerade dort, wo klassische Angebote heute an wirtschaftliche oder personelle Grenzen stoßen, können neue Technologien helfen, Mobilität und Teilhabe zu sichern.“

Konkrete Einsatzgebiete, Fahrzeugzahlen und Kosten stehen derzeit noch nicht fest. Die MVV GmbH erarbeitet dazu eine Grundsatzuntersuchung für den gesamten Verbundraum. Die Ergebnisse werden voraussichtlich Ende des ersten Quartals 2027 erwartet und sollen anschließend den Kreisgremien vorgestellt werden.

Rückenwind durch Internationale Bauausstellung

Neben der fachlichen Prüfung soll das Thema auch öffentlich sichtbarer werden. Der Ausschuss hat deshalb beschlossen, gemeinsam mit der MVV GmbH einen Projektantrag zum autonomen Fahren im Landkreis München und in der Region bei der Internationalen Bauausstellung Metropolregion München (IBA-M) einzureichen. Die IBA-M widmet sich bis 2034 zukunftsfähiger Mobilität in der Metropolregion. Der Landkreis erhofft sich durch eine erfolgreiche Aufnahme Rückenwind durch die Bauausstellung. Ein Projekt bei der IBA-M könnte helfen, die Technologie für Bürgerinnen und Bürger erlebbar zu machen und Akzeptanz zu schaffen.

„Neue Mobilität entsteht nicht am Reißbrett allein“, so Göbel weiter. „Die Menschen müssen sehen, verstehen und erleben können, was möglich ist – und wo Grenzen liegen. Genau dafür bietet die IBA-M eine gute Bühne. Sie kann dazu beitragen, Vertrauen in eine Technologie aufzubauen, die unseren öffentlichen Verkehr in den kommenden Jahren wesentlich verändern kann.“

Die Verwaltung wird die weiteren Schritte nun gemeinsam mit der MVV GmbH vorbereiten. Neue Erkenntnisse und konkrete Umsetzungsvorhaben werden den Kreisgremien erneut zur Beratung und Beschlussfassung vorgelegt.