Naturoasen vor der Haustür

Landkreis zeichnet die Siegerinnen des naturnahen Gartenwettbewerbs „Privat ProVielfalt“ aus

Übergabe Preis 1. Platz: Andrea Brinkmann und Benjamin Dinzinger, vom Projektteam „NaturVielfalt Leben“ @Landratsamt München

Manchmal beginnt Artenvielfalt nicht auf großen Schutzflächen, sondern direkt hinter dem Gartentor: zwischen Obstbäumen, Wildstauden, Totholzhecken, kleinen Wasserstellen und Beeten, in denen es summt, flattert und raschelt. Genau diese privaten Rückzugsräume standen im Mittelpunkt des zweiten naturnahen Gartenwettbewerbs „Privat ProVielfalt“, der 2025 im Rahmen des Projekts „NaturVielfalt Leben im Landkreis München“ stattgefunden hat. Die Gewinnerinnen wurden bereits Ende vergangenen Jahres bekanntgegeben, die offizielle Preisübergabe erfolgte im April dieses Jahres. 

Die Fläche aller Gärten in Deutschland ist in etwa so groß wie die Fläche aller Naturschutzgebiete Deutschlands zusammen. Deshalb richtet das Projekt „NaturVielfalt Leben im Landkreis München“ den Blick auch auf private Gärten. Struktur- und artenreiche Flächen mit heimischen Blütenpflanzen bieten wertvolle Lebensräume und Nahrung für viele Tierarten. 

Drei herausragende Gärten

20 Bewerbungen gingen für den Wettbewerb ein. Gleich zwei der drei ausgezeichneten Gärten liegen in Taufkirchen, der zweite Platz ging nach Grünwald.

Den ersten Platz belegte Andrea Brinkmann aus Taufkirchen. In ihrem Garten zeigt sich, wie viel Wissen, Erfahrung und Aufmerksamkeit in naturnaher Gartengestaltung stecken können. Frau Brinkmann vermehrt Gemüsesamen selbst, veredelt ihre Obstbäume und achtet darauf, dass die Bewohner ihres Gartens Nahrung und Unterschlupf finden. Wildpflanzen, Gemüsesorten, Obstgehölze und Frühlingsblüher sorgen fast ganzjährig für ein Blühangebot aus heimischen Pflanzen. Ein Naturteich mit Molchen und anderen Amphibien ergänzt das ökologische Konzept.

Besonders artenreiche Bereiche fördert Frau Brinkmann gezielt. Während sie den Großteil der Fläche regelmäßig mäht, bleibt ein Rückzugsbereich mehrere Monate unberührt und wird nur einmal im Jahr gemäht. Das anfallende Mähgut nutzt sie als natürlichen Mulch in den Beeten. Steine, Totholz, lückige Treppen, Hochbeete und Nisthilfen schaffen zusätzliche Strukturen. Ein altes Regal hat Frau Brinkmann zu einem geschützten Wildbienenhotel umgebaut; daneben entstand ein sandiger Bodennistplatz. Das Preisgeld in Höhe von 500 Euro investierte sie in eine hölzerne Wassertonne und ein fachgerecht angelegtes Sandarium für Wildbienen.

Vielfalt in Grünwald und Taufkirchen

Der zweite Platz ging an Ingrid Reinhart aus Grünwald. Ihr Garten ist geprägt von heimischen Stauden und Kräutern, alten Bäumen, Hochbeeten, Kompost, Totholz und Wasserstellen. Unter einer großen Esche liegt eine Boulebahn aus Splitt und Sand; im hinteren Bereich bieten ein Komposthaufen, eine Totholzhecke und gelagertes Feuerholz Rückzugsorte für Igel und andere Tiere. Fledermauskästen und Vogelnistkästen ergänzen das Angebot an Unterschlüpfen.

Auch der blühende Saum aus Beinwell, in dem Hummeln Nahrung finden, fällt auf. Zwischen Eiche, Linde, Spitz-Ahorn und weiteren Gehölzen stehen zwei Apfelbäume. Eine mit Wein bewachsene Terrasse schafft einen geschützten Aufenthaltsbereich mit Blick in den Garten. So verbindet der Garten Nutzung, Aufenthaltsqualität und Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Den dritten Platz erhielt Ute Vieweg aus Taufkirchen. Ihr Schrebergarten zeigt, dass naturnahe Gartengestaltung auch auf kleiner Fläche möglich ist. Obstbäume wie Apfel, Pflaume und Mirabelle bieten im Frühling Pollen und Nektar, im Sommer Schatten und Früchte. Ein Efeu-Vorhang am Holzgerüst dient Bestäubern im Herbst als späte Nahrungsquelle.

Besonders gelungen ist die offene Gestaltung des Gartens. Zum Nachbargrundstück gibt es keinen Zaun, sodass Tiere wie Igel ungehindert nach Nahrung suchen können. Eine Totholzhecke, eine Eidechsenburg aus losen Steinen, ein kleines Feuchtbiotop, blühende Säume und stehen gelassene Pflanzenstängel schaffen Lebensräume für verschiedene Arten. Im Gemüsegarten nutzt Frau Vieweg Kompost, Regentonnen, Mähgut zum Mulchen und Bio-Schafwolle als Wasserspeicher und natürliche Stickstoffgabe.

Auch 2027 findet im Rahmen des Projekts „NaturVielfalt Leben im Landkreis München“ wieder ein Gartenwettbewerb statt. Gerne berät das Projektteam Interessierte ab Herbst 2026 dabei auf dem Weg zum naturnahen, struktur- und artenreichen Garten, der vielen heimischen Pflanzen und Tieren Lebensraum bietet. 

Das Projekt „NaturVielfalt Leben“

Das Projekt „NaturVielfalt Leben im Landkreis München“ hat zum Ziel, die biologische Vielfalt im Landkreis zu fördern und für zukünftige Generationen zu erhalten. Dabei werden einerseits aktiv Maßnahmen für den Erhalt und die Förderung vieler nützlicher Insekten wie Schmetterlinge und Wildbienen ergriffen, andererseits sollen über Beratungs- und Bildungsangebote möglichst viele Menschen im Landkreis für die Natur begeistert und zum Mitmachen angeregt werden. Das Projekt wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert.

Wer seinen Garten im Landkreis hat und diesen auch naturnah gestalten möchte, um sich an Schmetterlingen, Bienen und Vögeln zu erfreuen, kann über das Projekt kostenfrei Saatgut und heimische Gehölze erhalten. Weitere Informationen zum Projekt, den Preisträgerinnen und Preisträgern des Gartenwettbewerbs und hilfreiche Tipps, wie Sie Ihren eigenen Garten naturnah gestalten können, gibt es auf der Projektplattform „Mein Landkreis München" unter https://mein-landkreis-muenchen.de/discuss/naturvielfalt-leben