Pilotprojekt zur Busbeschleunigung beschlossen

Regionalbusverkehr soll noch zuverlässiger und umweltfreundlicher werden

Ein attraktiver und klimaschonender öffentlicher Nahverkehr steht ganz oben auf der Prioritätenliste des Landkreises München. Die Beschlüsse des Kreistags vom Montag setzen hierfür wichtige Impulse im Regionalbusverkehr. 

Pilotprojekt zur Busbeschleunigung

Busse, die im Stau stehen und gerade zu Stoßzeiten unpünktlich sind, verlieren an Attraktivität. Der Kreistag hat deshalb den Weg für ein landkreisweites Konzept zur Busbeschleunigung frei gemacht. Ein Pilotprojekt im Korridor Unterhaching soll dafür die Grundlage schaffen und Erkenntnisse liefern, die auf den gesamten Landkreis übertragbar sind.

Was bedeutet Busbeschleunigung?

Unter Busbeschleunigung versteht man Maßnahmen, die Fahrzeitverluste reduzieren – etwa an Ampeln, im Straßenraum oder an Haltestellen. Dazu zählen die Bevorrechtigung an Lichtsignalanlagen, eigene Fahrspuren oder optimierte Haltestellen. Ziel ist, Fahrzeiten zu verkürzen, Fahrpläne zu stabilisieren und Anschlüsse zu sichern. Denn je verlässlicher der ÖPNV ist, desto attraktiver wird er. 

Für das Pilotprojekt wurde ein Korridor im Gemeindegebiet Unterhaching ausgewählt. Hier besteht erheblicher Handlungsbedarf: niedrige Geschwindigkeiten und hohe Verspätungsquoten beeinträchtigen die Zuverlässigkeit. Gleichzeitig nutzen täglich mehr als 17.000 Fahrgäste die betroffenen Linien. Viele Verbindungen sind auf Anschlüsse zur S- und U-Bahn angewiesen.

„Ein leistungsfähiger ÖPNV entscheidet sich im Alltag. Wenn Busse pünktlich und zuverlässig fahren, steigen mehr Menschen um. Genau hier setzen wir an“, so Landrat Christoph Göbel.

Das Pilotprojekt dient zugleich als Testfeld für ein landkreisweites Vorgehen. Ziel ist ein systematisches Busbeschleunigungsprogramm für das gesamte Regionalbusnetz.

Parallel erste Verbesserungen

Unabhängig davon sollen kurzfristig punktuelle Maßnahmen umgesetzt werden. Die Verwaltung wird Knotenpunkte mit besonderem Handlungsbedarf identifizieren und gezielt verbessern.

Moderne Technologie im Einsatz

Ein Schwerpunkt liegt auf der Einführung der zukunftssicheren C-ITS-Technologie. Sie ermöglicht eine direkte, zyklische Kommunikation zwischen Bussen und Ampeln. Fahrzeuge übermitteln ihre Position und Ankunftszeit, sodass Ampelschaltungen angepasst werden können. Das reduziert Wartezeiten und erhöht die Pünktlichkeit deutlich. Künftig wird diese Technologie bei der Ausstattung der Fahrzeuge im Rahmen von Neuvergaben von Verkehrsverträgen verbindlich vorgegeben.

Die Finanzierung erfolgt nach dem Prinzip der Straßenbaulast: Jeder Baulastträger trägt die Kosten für Maßnahmen auf seinen Straßen. Der Landkreis übernimmt die Koordination sowie die Einwerbung und Abwicklung von Fördermitteln.

Zugleich appelliert der Landkreis an den Freistaat Bayern, die Voraussetzungen für eine leistungsfähige Businfrastruktur weiter zu verbessern, insbesondere durch ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen vor allem der Staatlichen Bauämter für Maßnahmen an Lichtsignalanlagen und übergeordneten Straßen.

Umweltkriterium bei Neuausschreibungen eingeführt

Ein flüssiger Verkehrsablauf reduziert darüber hinaus Emissionen und Energieverbrauch – ein Ziel, das der Landkreis auch damit verfolgt, den Regionalbusverkehr langfristig vollständig auf emissionsfreie Antriebe umzustellen.

Da Elektrobusse höhere Anschaffungskosten als Dieselfahrzeuge verursachen, hat der Kreistag beschlossen, für zunächst zwei Jahre ein Umweltkriterium bei der Vergabe von MVV-Regionalbuslinien einzuführen. Bei technologieoffenen Ausschreibungen erhalten emissionsfreie Antriebe dabei eine bessere Bewertung als fossile – mit dem Ziel, Verkehrsunternehmen zur verstärkten Nutzung umweltfreundlicher Fahrzeuge zu motivieren. Die Betriebskosten bleiben weiterhin klar das wichtigste Zuschlagskriterium. Mehrkosten sind somit zwar möglich, aber nur in geringem Umfang und klar begrenzt. 

Der Landkreis geht davon aus, dass sich emissionsfreie Antriebe mittelfristig auch wirtschaftlich gegenüber fossilen Technologien durchsetzen werden. Das Umweltkriterium dient daher der gezielten und temporären Beschleunigung der Elektrifizierung des Regionalbusverkehrs.