Pflanzempfehlungen: Informationen zur Verwendung von Bäumen und Sträuchern für den Landkreis

Hier finden Sie allgemeine Informationen und Tipps für die Auswahl von Gehölzen für Ihren Garten oder die Außenanlagen Ihres Gebäudes.

Die Bedeutung des Standorts

Grundsätzlich sind standortgerechte Gehölze zu pflanzen. Passt ein Baum oder Strauch nicht zum gewählten Standort, sind seine Entwicklung und Lebenserwartung  eingeschränkt.
Beachten Sie eventuelle Vorgaben zu Gehölzarten, Mindestanzahl und Mindestpflanzqualität der Gehölze in Bebauungsplänen.

Bevor Sie einen Baum oder Strauch auswählen und pflanzen, prüfen Sie sorgfältig die folgenden Standortfaktoren:

  • Wie viel Platz steht oberirdisch zur Verfügung? Beachten Sie Höhe und Breite sowie mögliche Einschränkungen durch Mauern, Zäune, Treppen, befestigte Flächen, Dächer, Gebäude etc. 
  • Wie viel Wurzelraum steht unterirdisch zur Verfügung? Beachten Sie das Volumen, welches ohne Einschränkungen (also ohne Versiegelung, Leitungen, Kanäle, Schächte, Rigolen, Fundamente) durchwurzelt werden kann. Bei Gehölzpflanzungen in oder angrenzend an Belagsflächen kann mit offener Baumscheibe bzw. Pflanzfläche oder teilweise überdeckter Baumscheibe geplant werden. Dabei muss der Wurzelraum unter dem dauerhaft wasserdurchlässigem Belag mit passendem Substrat oder Wurzelkammersystem ergänzt werden.
  • Welche Nutzungen grenzen an? Je nach Situation können Bäume mit auffälligen Früchten oder Honigtauabsonderung, giftige Gehölze, bedornte Gehölze, oder gegen Streusalz empfindliche Gehölze ausgeschlossen werden. Bei Extremstandorten wie entlang von Straßen, zwischen und neben Stellplätzen, sowie vor Gebäudefassaden muss besonders darauf geachtet werden, dass die Gehölzart dafür geeignet ist. 
  • Klima: Belichtung (sonnig, halbschattig oder schattig), Wind, Hitze und Luftbelastung 
  • Bodenart, Feuchtigkeit (trocken, feucht oder nass) und pH-Wert (sauer bis alkalisch) → In der Münchner Schotterebene ist der gewachsene Boden überwiegend durchlässig und kalkhaltig (= alkalisch).

Wenn Sie alle Standortfaktoren berücksichtigen und ein passendes Gehölz auswählen, sind die Voraussetzungen für eine gute Entwicklung erfüllt.

Der Wert von Stadtbäumen: Ökosystemleistungen

Urbane Gebiete sind Orte erstaunlich hoher Artenvielfalt. Grünräume in Siedlungsgebieten sind auch für die Lebensqualität der Bevölkerung ein wichtiger Faktor. Neben ihrem hohen ökologischen Wert tragen insbesondere Großbäume zu einem gesunden Kleinklima bei.

Das leisten Bäume:

  • sie produzieren Sauerstoff.
  • sie speichern CO2.
  • sie spenden Schatten.
  • sie filtern Luft.
  • sie kühlen durch Verdunstung kühlen.
  • sie reduzieren Windgeschwindigkeit und bieten damit Schutz vor Stürmen und Orkanen im Siedlungsraum.

Gehölze generell, aber besonders auch Stadtbäume, bieten Lebensraum und Nahrungsgrundlage für Tiere und erschließen dort eine dritte Dimension, wo der Boden durch andere Nutzungen besetzt ist. Der Wert eines Baums für die Biodiversität wird maßgeblich von den Faktoren Baumart, Alter und Standort beeinflusst.  Mit zunehmender Verdichtung und Modernisierung werden heimische Gehölze überlebenswichtig für die heimische Tierwelt, vor allem für Spezialisten wie bestimmte Wildbienen und Schmetterlingsarten.

Stadtbäume im Klimawandel

Baumstandorte in Siedlungsgebieten sind außerhalb von großzügigen Gärten und Parks fast immer beeinträchtigt durch angrenzende versiegelte Flächen. Von Gebäuden, Wegen, Parkplätzen, Mauern, Versorgungsleitungen und andere Einbauten werden die Bäume in der Entwicklung ihrer Wurzeln und Baumkrone eingeschränkt. Zudem leiden Bäume unter den vermehrten Hitzeereignissen und längeren Trockenperioden unserer Zeit. 

Neben der Herstellung ausreichend großer Baumgruben für Baumneupflanzungen spielt die Auswahl der Art bzw. Sorte eine entscheidende Rolle. Einzelbäume an Standorten in Belagsflächen stellen Ausnahmen dar, da Bäume im Verband mit anderen Gehölzen auf offenen Pflanzflächen mit Bewuchs eine bessere Überlebenschance haben. Sogenannte klimagerechte oder stadtklimafeste Gehölze können heimische und nicht heimische Arten und Sorten sein. Die vor Ort gegebenen Standortfaktoren sind ausschlaggebend für die Auswahl.

Tipp: Die Mischung macht’s! Geschwächte Gehölze können sich schlechter gegen Schädlinge und Krankheiten wehren. Hat man eine ganze Baumreihe oder Hecke aus einer Art, fallen womöglich alle Gehölze gleichzeitig aus. Deshalb sollte man grundsätzlich verschiedene standortgerechte Baum- und Straucharten mischen.

Pflanzgruben für Baumneupflanzungen

Viel Platz für die Entwicklung der Wurzeln sowie eine artgerechte Wasserversorgung in den ersten sieben Jahren sorgen für eine gesunde Entwicklung, Langlebigkeit und langfristig weniger Pflegeaufwand. Eine große Baumgrube aus regionalem Pflanzsubstrat wirkt bei Regen wie ein Schwamm. Vorsicht bei der Bepflanzung auf oder in der Nähe von Rigolen: Viele Gehölze vertragen weder Nässe noch Überschwemmungen.

Bei neu zu pflanzenden Bäumen ist folgender durchwurzelbarer Raum bei einer Mindesttiefe von 1,5 m sicherzustellen: 

  • Bäume 1. Wuchsordnung (Großbäume über 20 m Höhe): mind. 36 m³
  • Bäume 2. Wuchsordnung (mittelgroße Bäume 10-20 m Höhe): 24 - 36 m³ 
  • Bäume 3. Wuchsordnung einschließlich Obstbäume (Kleinbäume bis 10 m Höhe): 20 - 24 m³ 

Sonderfall Tiefgarage
Auf unterbauten Flächen können Bäume 3. Ordnung in Pflanzgruben mit einer abweichenden Tiefe von mind. 1,00 m gepflanzt werden. Das erforderliche Wurzelraumvolumen wird dann über eine größere Fläche erreicht.

Achtung: Damit die Wurzeln ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden, müssen Baumscheiben und Pflanzflächen dauerhaft vor Verdichtung geschützt werden. Befahren, Begehen und Einbauten müssen verhindert werden, damit Feinwurzeln nicht zerstört werden und der Gasaustausch nicht behindert wird.

Gehölzlisten

Bei unseren Listen wurde die Auswahl an Gehölzen unterschiedlicher Wuchsordnungen anhand ihrer Eigenschaften und potenziellen Eignung im Landkreis München getroffen. Einige Gehölzarten sind nicht aufgeführt, weil wir diese aus verschiedenen Gründen nicht (mehr) empfehlen, zum Beispiel die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) aufgrund des Eschentriebsterbens oder die Sand-Birke (Betula pendula) und die Vogelbeere (Sorbus aucuparia) aufgrund der vielen Ausfälle nach Trockenschäden. 

Tipp: Für beliebte, aber ökologisch wertlose Ziergehölze gibt es tolle heimische Alternativen, z. B. Kornelkirsche (Cornus mas) statt Forsythie (Forsythia), Liguster (Ligustrum vulgare) oder Eibe (Taxus baccata) statt Lorbeer-Kirsche (Prunus laurocerasus). Besonders die invasiven, nicht heimischen Arten Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii) und Lorbeer-Kirsche (Prunus laurocerasus) sollten nicht mehr gepflanzt werden, da sie sich unkontrolliert ausbreiten, heimische Pflanzen verdrängen und große Schäden in heimischen Ökosystemen anrichten. Wir empfehlen gemischte Hecken aus heimischen Sträuchern, die mit Blüten und Fruchtschmuck begeistern!

Hinweis: Unsere Gehölzlisten erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit, sind aber nach aktuellem Wissenstand und in bester Absicht zusammengetragen worden.

Die Gehölzlisten sind wie folgt aufgeteilt:

  • Bäume 1. Wuchsordnung (Großbäume über 20 m Höhe)
  • Bäume 2. Wuchsordnung (mittelgroße Bäume 10-20 m Höhe) 
  • Bäume 3. Wuchsordnung (Kleinbäume bis 10 m Höhe)
  • schmalwüchsige Bäume für Sonderstandorte
  • heimische Sträucher
  • geeignete heimische Bäume für Schnitthecken
  • heimische Klettergehölze